Vellemann Vertex K8400 Details und Review

Als ich mich zum ersten mal für den Kauf eines fertigen Bausatzes oder Fertiggerätes durchringen konnte, hat sich unter Abwägung aller Eigenschaften und dem damaligen Preis (>600EUR) der K8400 herauskristallisiert.
Ein Kauf den ich bis heute nicht bereue und auch heute noch lohnt, wenn man Wert auf den Eigenbau und die Ausbaufähigkeiten legt.

Ich habe auch mal einen total kaputtmodifizierten K8400 als Ersatzteillager bei eBay geschossen.
Hinterher stellte sich heraus, dass man das Gerät sehr leicht wieder herrichten kann und der Vorbesitzer zum einen nicht die Anleitung gehalten und und sehr viele grobe Fehler machte (Hotend zusammengeschmolzen, Gestänge verbogen, Gurte nicht ausgerichtet, Alugewinde überdreht, Kabel nicht verdrillt und einfach rumbaumeln gelassen). Geschickt hat mir der Verkäufer das in einem Renkforce RF2000 Karton – mit dem wird er dann sicher auch noch Spaß gehabt haben…
Das reparierte Gerät lief danach sogar besser als mein eigener K8400, so dass ich den auch nochmal generalüberholt habe.

Die Eckdaten des Herstellers, realistische Angaben und die meines Druckers heute:

HerstellerangabeRealistischNach Modifikation
Druckbereich180x200x190185x210x190
nachkalibrierung
190x190x190
Da E3D V6 + Lüfter recht groß sind
Schichtdicke0,05..0,2mm mit 0,35mm Düse0,07..0,23 mit 0,35mm Düse0,07..0,25mm mit E3D V6 und 0,4mm Düse
Verfahrgeschwindigkeit30..300mm/s
Druckgeschwindigkeit30..120mm/s
Düsentemperaturbis 270°CBis 230°C (PEEK Hotend!!)bis 270°C
MaterialPLA, ABSPLA, GreenTec, PETGPLA, ABS*, PETG, TPU, Greentect, ASA*, Nylon, …
DruckplatteGlasbett (4mm!) mit DauerdruckfolieBuildTak oder beheiztes Glasbett.

Stärken des K8400:

  • Die Mechanik ist sehr robust und präzise. Wenn man sie ordentlich aufbaut, wird das mit sehr guten Druckergebnissen belohnt.
    Insbesondere der Ansatz mit igus Gleitlagern und dem sehr leichtgängigen Bowden/Druckkopf-Aufbau machen schnelle und präzise Bewegungen mit hohen Beschleunigungen möglich.
    Das Druckbett wird während des Drucks abgesenkt, ist also ein „Ultimaker“-Clone und kein „Bettschubser“.
  • Er kommt sofort mit einem ATMEGA256 Board inklusive Arduino Bootloader daher. Man muss sich die Firmware zwar selbst bauen, bekommt das aber über die Anleitung und das USB Kabel problemlos hin.
  • Die Schrittmotortreiber sind voreingestellte DRV8825 im 1/32 Mikroschritten. Das ist deutlich besser als die meisten Drucker mit 1/16 und A4988.
  • Auch das LCD direkt mit 20×4 Textdisplay, regelbarem Kontrast, integrierter SD-Halterung (große! – kein mirko-SD) und Drehencoder sind sehr angenehm.
  • Eine 4mm starke Glasplatte mit Buildtak mit leicht zu öffnenden und zu schließenden Klammern.
    Ist hochwertiger als manches wellige Alubett oder auch nur 3mm Glas.
    Wenn der Druck fertig ist kann man das sehr leicht rausnehmen und in Ruhe ablösen, ohne die Z-Achse mechanisch zu stressen.
  • Die Original-Firmware hatte zum Erscheinungspunkt bereits Filamentwechsel während des Drucks und eine menügeführte Hilfe zur Zuführung und Entfernung des Filaments. War sehr praktisch und gibt es heute in ähnlicher Form in der aktuellen Marlin-Firmware.

Schwächen und Abhilfen am K8400:

  • Die Isolation des Heizblocks ist etwas dürftig.
    -> Ein paar runden Kaption-Tape ums Hotend schaffen Abhilfe. Nur nicht zu dick umwickeln
  • Es gibt einen Reset-Schalter direkt am Display und einen großen Schalter an der Seite, der gerne mal versehentlich betätigt wird.
    -> Einfach beim Aufbau den großen seitlichen Schalter weglassen
  • Die Kalibrierung des Druckbetts ist etwas fummelig.
    -> Ein gutes Textgeführtes Bedleveling-Skript ist in der Firmware integriert.
  • Die Kalibrierung der Schritte/mm am Extruder ist ungenügend.
    -> Neu kalibrieren und im EEPROM abspeichern
  • Das Extruderrad selbst ist außergewöhnlich groß und kommt gerne mal bei höheren Geschwindigkeiten ins stottern.
    -> Den Motorstrom zu erhöhen bringt nur bedingt etwas. Ich empfehle den Umbau auf ein MK8 Extruderrad – Umbauanleitung folgt.
  • Beim Aufbau ist es recht schwer die XY-Achsen sauber parallel auszurichten.
    -> Zwei Ausrichthilfe drucken (lassen) und die Schlitten parallel damit ausrichten.
  • Die Riemenscheiben sind aus Aluminium und werden mit Madenschrauben gesichert. Allerdings überdreht man die Gewinde schnell.
    -> Beim Aufbau schön aufpassen und ggf einen Gewindeschneider mitnehmen. Wenn es tatsächlich schief geht, kann man doch nochmal bohren und einen neuen Anlauf unternehmen.
  • Die Beschleunigungswerte in der Firmware sind recht hoch angesetzt.
    -> Eigene Firmware bauen. Am besten Marlin mit S-Curve Acceleration.
  • Der Hersteller gibt das Hotend mit 270°C an – das ist Quatsch, da das PEEK Material spätestens bei 245°C weich wird.
    -> Das Original-Hotend nur bis 230°C verwenden. Oder besser gleich auf ein All-Metal-Hotend umrüsten. Für den E3D V6 Clone habe ich eine Umbauempfehlung.
  • Die Schrittmotortreiber sind ohne Kühlkörper geliefert. Wenn man die stresst und nicht auf ordentlichen Luftfluss achtet, können diese warm werden und evtl Schrittverluste eintreten.
    -> Kühlkörper nachrüsten.
  • Das beheizte Druckbett fehlt zwar, ist aber bei ordentlicher Ausrichtung des Druckbetts und mit BuildTAK eigentlich kein Problem.
    -> Trotzdem kann man prinzipiell ein Heizbett nachrüsten: Umbau durch ein ANET A8 Heizbett und die passende 4mm Glasplatte mit externem Mosfet-Treiber und zusätzlichem Netzteil.
  • Die Spulenhalterung ist zwar ganz nett, aber es passt nicht jedes gängige Spulenformat drauf.
    -> Es gibt den „low friction Spoolholder“. Drucken uns austauschen – fertig.

Sinnvolle Vorbereitungen, wenn man den K8400 Bausatz aufbaut:

  • XY-Ausrichthilfe von einem Freund drucken lassen.
  • MK8 Extruderrad, M6 Gewindestück, 626 Kugellager, M6 Sicherungsmuttern besorgen
  • Ausdruck des passenden Austauschextruders von hier
  • Kühlkörper für die Schrittmotortreiber besorgen (am besten zum Aufkleben mit Pad vorbereitet)
  • Spulenhalterung drucken lassen („low friction spoolholder“)
  • Ggf 3mm Gewindeschneider 1-stufig ist hilfreich, da Alu.
  • Multimeter um die Schrittmotortreiber auszumessen und einzustellen.

Firmware-Anpassungen:

  • Skriptanpassungen für Load/Unload/Pause und Change Filament
  • S-Curve-Accel
  • Bedleveling-Skript
  • Geschwindigkeiten und Beschleunigungswerte reduziert
  • Anpassung Lüfteransteuerung (ggf auf E3D V6)
  • Anpassung Menüführung (vor/rück)
  • tbd…

Firmware für Kursteilnehmer