LaTeX/MiKTeX – Einstieg, Vorlagen und Einstellungen mit TeXMaker

(2012 – Update 20.01.2012)
Für alle die Ihre Diplomarbeit/Bachelor-Thesis/Master-Thesis in TeX verfassen möchten.

Wieso LaTeX?

TeX ist ein sehr mächtiges Textsatzsystem und eine Makrosprache. LaTeX ist eine umfangreiche Sammlung aus TeX-Makros und Tools, die den Einstieg in TeX ermöglichen. Es ist das bekannteste Paket um TeX zu nutzen und dient im folgenden als Grundlage (innerhalb von MiKTeX). Ein wesentlicher Unterschied zu allen gängigen Textverarbeitungsprogrammen ist, dass es keine Seitenansicht in „Echtzeit“ gibt, sondern dass es einen Quellcode gibt, aus dem das spätere Dokument generiert wird.
„Man programmiert das Dokument und als Ergebnis des Compile-Vorgangs fällt hinten ein PDF raus“

Wer seine Abschlussarbeit in TeX verfasst, muss zwar Anfangs mehr Zeit investieren um die Inhalte einzupflegen, aber die Arbeit sieht insgesamt professioneller aus. Man wird gezwungen eine saubere und leserliche Struktur zu wahren. Diese zusätzlich investierte Zeit wird aber gerade gegen Ende wieder wettgemacht, wenn Überarbeitungen anstehen.

  • Kapitel und Unterkapitel werden automatisch richtig durchnummeriert und eingerückt. Das Inhaltsverzeichnis orientiert sich an dieser Struktur.
  • Natürliche Formatierung von mathematischen Formeln, mit automatischer Nummerierung und Referenzierung. Hervorragend geeignet um mathematische Beweise sauber aufzubereiten.
  • Fußnoten und Zitate werden verwaltet und abschließend die Liste der Quellen generiert. So legt man eine Liste der verwendeten Bücher an und referenziert dann bei Zitaten und Fußnoten nur noch auf diese Quelle.
  • Ein Definitionsverzeichnis wird generiert. Man kann innerhalb eines Kapitels im Quellcode Begriffe definieren, welche später automatisch in einem Definitionsverzeichnis aufbereitet werden (nomenclature).
  • Alle Zeichnungen und Bilder sind referenziert und man muss sich nicht um die korrekte Reihenfolge kümmern.
  • Listings (Quellcode-Schnipsel) werden inkl. Syntaxhervorhebung attraktiv eingebunden.
  • Include/Input-Funktion: Gliederung in mehrere Dokumententeile, welche zum Schluss als ein TeX-Dokument behandelt werden.
  • Es werden wichtige Verzeichnisse automatisch generiert: Abbildungs-, Tabellen-, Listings-, Bibliotheks-Verzeichnis.
  • Generierung des Seitenlayouts. Von mir beispielsweise verwendet: Neue Kapitel immer auf der rechten Seite beginnen und auf dieser Seite keinen Seitenkopf erzeugen. Bei Doppelseiten oben links das Kapitel und oben rechts den Abschnitt in den Seitenkopf schreiben.
  • Man ist gezwungen sich eine ordentliche Struktur zu überlegen und vermeidet häufige Fehler wie: Schriftarten/Stil/Farb-Chaos, wandernde Einrückungen, Fehlerhafte Referenzen/Seitenangaben und uneinheitliche Kapitel.
  • Das erzeugte PDF ist „interaktiv“, man kann Seiten, Links und Verweise anklicken und landet dann bei dem jeweiligen Bild/Listing/Formel.
  • Noch sehr viel mehr (z.B. alte Sprachen/Fremdsprachen).

Gerade wenn Quellcode eingefügt wird oder während der Entwicklungsphase überarbeitet wird, zeigen sich die Stärken von LaTeX. Quellcode kann von externen Dateien eingebunden werden und wird in Abhängigkeit des Dateiinhaltes eingebunden. Für fast alle bekannten und unbekannten Sprachen gibt es eine Syntaxhervorhebung (AWL, C/C++, Jaca, Matlab, …).

Um TeX zu verwenden braucht es ein Paket wie LaTeX und eine Entwicklungsumgebung wie TeXMaker, der einem viel Arbeit abnimmt. Für Word und LibreOffice Gewohnheitstiere wird es daher nicht einfach und etwas ungewohnt sein.
Wer aber schon einmal mit HTML oder irgendeiner XML-Sprache gearbeitet hat, wird sich schnell zurechtfinden. Wer sowieso in C/Java/Matlab unterwegs ist, der kann sich allein aus der Installationsanleitung und den Beispieldateien in TeX einleben.

LyX sei hier noch kurz erwähnt. Es ist das Programm, welches einem WYSIWYG-Editor in TeX am nächsten kommt. Leider ist der Funktionsumfang stark eingeschränkt und daher ist es erst einmal uninteressant für eine Abschlussarbeit.

Wieso TeXMaker?

Da man einen Quelltext verfasst, braucht es eine auf TeX abgestimmte Entwicklungsumgebung. Hartgesottene TeX’ler machen alles in einem einfachen Text-Editor und hacken am Ende die Befehle zur Dokumenten-Erzeugung in die Konsole. Da ich mich damit nicht anfreunden kann, habe ich lange nach einer guten Entwicklungsumgebung gesucht.
Davon wimmelt es im Netz nur so, die meisten sind bessere Text-Editoren, fast alle haben einen Compile-Knopf und manche haben auch eine einfache Anzeigefunktion.

Aber TeXMaker hat alles was einen guten Text-Editor ausmacht, eine Rechtschreibprüfung während der Eingabe, bringt die Unterstützung für die wichtigsten Tools um TeX herum mit (z.B. bibtex) und hat eine eingebettete Anzeigefunktion welche ein hin- und herspringen innerhalb des PDFs zur Quellcodezeile und von einer Quellcodezeile an die korrespondierende Stelle im PDF ermöglicht.

>>TeXMaker<< steht unter der GPL und ist für alle gängigen Betriebssysteme frei und kostenlos verfügbar.

Benötigte Software, Installation und Einstellungen in TeXMaker

Zu erst einmal braucht es eine TeX-Distribution. Ich Windows-Nutzern MiKTeX empfehlen, es umfasst alle LaTeX-Makros und hat eine Online-Update/Download Funktion.
Ladet euch den >>MiKTeX Basic-Installer<< herunter und installiert diesen mit der Option „Nachladen bei Bedarf ohne Nachfragen“. Bitte nicht in irgendwelche abenteuerlichen Ordner installieren (Netzlaufwerke, Sonderzeichen im Pfad, usw..). Wenn ihr jetzt auf ein Package zurückgreift, welches noch nicht im Basic-Installer dabei war, wird es automatisch aus dem Internet nachgeladen, installiert und verwendet.
Vermeidet den Full-Installer, denn dieser sprengt 2GB und bringt nur unnötigen Ballast mit.

Natürlich braucht es noch den >>TeXMaker<< als Entwicklungsumgebung. Runterladen und installieren (bitte wieder keine Abenteuerpfade s.o.).

Wichtig sind jetzt eine paar Einstellung zur Nutzung von TeXMaker mit „nomenclature“ und einigen anderen Tools:

  • Bitte im Menü „Optionen/Texmaker konfigurieren“ wählen und im folgenden Fenster unter „Befehle“ den Eintrag „makeindex“ in das hier ändern:
    makeindex %.idx|makeindex %.nlo -s nomencl.ist -o %.nls
  • Wählt im selben Menü den PDF-Betrachter als „intern“ uns setzt den Haken bei „embed“. Wenn ihr jetzt bei TeXMaker in der unteren Menüleiste den PDF-Betrachter wählt, wird dieser in der rechten Bildhälfte angezeigt/ausgeblendet.
  • Gebt bei „extern“ den korrekten Pfad zu eurem PDF-Betrachter an. Für Nutzer des PDF-XChange-Viewer wäre das beispielsweise:
    „C:/Programme/Tracker Software/PDF Viewer/PDFXCview.exe“ %.pdf
    (Bitte die Anführungszeichen beachten)
  • Geht jetzt in den Konfigurationsabschnitt „Schnelles Übersetzen“.  Wählt dort die Methode „Benutzerdefiniert“ und benutzt dort den „Assistent“. Dort bitte folgende Befehlsfolge einfügen:
    Bibtex/Makeindex/Pdflatex/Bibtex/Makeindex/Pdflatex
    Schließt den Vorgang mit „OK“ ab und es werden die korrekten Kommandozeilenparameter erzeugt.
  • Jetzt fehlt nur noch der Abschnitt „Editor“:
    Hier bitte als Zeichenkodierung ISO-8859-15 wählen.
    Setzt einen Haken bei der Zeilennummerierung, so könnt ihr bei einer Fehlermeldung die Zeile finden.
    Wählt ein Wörterbuch aus. Normalerweise steht dort schon das richtige drin und ihr müsst nur noch den Haken bei „Rechtschreibung während der Eingabe prüfen“ setzen. Falls kein Wörterbuch vorhanden ist, könnt ihr hier eines runterladen (Rechtklick/Speichern unter).

Ihr habt es dann endlich geschafft (hoffe ich mal). MiKTeX, TeXMaker und ggf. Dictionary installiert und lauffähig -> Jetzt gehts los mit dem ersten Dokument.

Ein erstes Dokument

Da es jede Menge Tutorials zu TeX gibt, werde ich hier nicht noch eins basteln. Daher hier nur ein kurzes Intro zum ersten eigenen TeX-Dokument im TeXMaker:

  • Startet TeXMaker und wählt Datei/Neu
  • Geht ins Internet und ruft >>diese kleine Wikipedia-Seite<< auf
  • Kopiert euch den „Quelltext eines LaTeX-Dokumentes“ in die Zwischenablage und fügt diese in das leere Dokument im TeXMaker ein.
  • Klickt im TeXMaker auf speichern und sichert das Dokument in einen Ordner eurer Wahl. Benennt die Datei mit „dokument.tex“
  • Wählt in TeXMaker im oberen PullDown-Menü den Punkt „Schnelles übersetzen“ aus und klickt auf den Pfeil daneben. Die Kompilierung startet, eventuell gibts eine Meldung zu einer .idx-Datei, dass ist aber nicht weiter schlimm.
  • Wenn ihr jetzt in dem anderen PullDown-Menü „PDF-Ansehen“ anwählt und auf den Pfeil daneben klickt, sollte das PDF rechts erscheinen.
  • Probiert jetzt mal mit einem Rechtsklick im PDF die Funktion „Zur Quelltextzeile“ springen und umgekehrt im Quelltext mit einem Rechtsklick die Funktion „Zum PDF wechseln“
    -> Diese Funktion macht den TeXMaker unter den TeX-Programmen so attraktiv!

Vorlage

Ich habe eine kleine Vorlage erstellt, in der die wichtigsten Techniken angewendet werden. Tabellen, Bilder, Nummerierungen, Kopf/Fußzeile, Umbenennen von Einträgen, Klickbare Referenzen usw.
Ich empfehle die ASCII-Vorlage, habe aber auch eine UTF8-Version. Letztere wird aber nicht mehr gepflegt.
Da TeXMaker ja ein hin und herspringen zwischen Quellcode und PDF unterstützt, könnt ihr euch die Syntax bequem selbst aneignen. Bei weiteren Fragen ist Google euer Freund.

Hilfeseiten die ich häufig genutzt habe

  • Wikipedia TeX-Markup. Hier findet man schnell alles zu Sonderzeichen, Brüchen, Matrizen und Anordnungshilfen
  • Einfach mal in den Kopfzeilen der Vorlage nachschauen, hier habe ich die meisten Seiten während der Entwicklung vermerkt.

Links zur Software

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10 thoughts on “LaTeX/MiKTeX – Einstieg, Vorlagen und Einstellungen mit TeXMaker

  1. Hallo,
    ich hätte da mal eine eher nebensächliche Frage. Ich hoffe aber trotzdem, dass Ihr mir weiterhelfen könnt. In dem TeXmaker ist unten eine Zeile in der ich anklicken kann, welche „Unterfenster“ im TeXmaker geöffnet sein sollen („structure“, „messages/log“ und „source viewer“). Leider sind es bei mir eben nur diese drei und ich habe bei vielen Tutorials, die ich mir angesehen habe festgestellt, dass sich da unten eigentlich noch ein Feld mit „pdf viewer“ befinden müsste. Dieses ist bei mir leider nicht vorhanden. Kann mir vielleicht jemand von euch sagen, wie ich diese „Schaltfläche“ da hin bekomme? Es wäre einfach etwas bequemer, wenn die PDF direkt neben dem Quelltext erscheint und ich nicht immer zwischen zwei Fenstern wechseln muss! :)
    Vielen Dank schon mal im voraus.
    Lg Anne

    • Liebe LaTeX-Neulinge,
      Hallo Anne,

      leider hat sich verdammt viel bei TeXmaker und TeXstudio seit der Einführung dieses Tutorial einiges getan. Und dummerweise sogar das Verhalten der Parser. Ich setze aktuell auch meinen neuen Rechner auf und werde das Spiel wieder von vorne beginnen. Dann gibt es auf jeden Fall ein Update der Einstellungen und auch wie man die Oberfläche wieder zu einem brauchbaren und effizienten Stand umfunktioniert. Ich kann allerdings aktuell nicht sagen wann ich dazu komme.
      Allerdings ist das Tutorial nicht vergebens, denn danach hab ihr alle SW schonmal drauf und der Rest ist nur Rumkonfiguriererei.

  2. Mir hat die Anleitung auch sehr gut gefallen, allerdings habe ich ein Problem, wenn ich nach „schnell Überstetzen“ auf „PDF ansehen“ klicke kommt immer der Fehler „Datei nicht gefunden“ ,habe aber keine Ahnung wie ich den weg kriege. Habe obige Anleitung befolgt. Texmaker version 4.0.4 benutze ich mit MikTex 2.9

    • Hallo Joe,

      leider haben sich seit der Erstellung dieser Anleitung sowohl TexMaker wie auch TeXStudio stetig verändert, sogar die Konfigurationsdialoge und Einstellungsorte.
      Bei mir steht auch wieder eine Neuinstallation an, dann werde ich die Anleitung gleich mit aktualisieren. Allerdings wird sie dann auch auf TeXstudio ausgerichtet sein, da ich bei TexMaker zuletzt bei großen Dokumenten Performance-Probleme hatte.

  3. TexMaker ist ebenso wie TexStudio ein Fork von TexMakerX. Ich habe bei großen Dokumenten mit der Zeit Geschwindigkeitseinbußen bekommen. Wer das auch hat, kann direkt auf TeXStudio umsteigen, ohne sich allzusehr umgewöhnen zu müssen. Auch hier geht es hin/rück zwischen SRC/PDF. Die Einstellungen für den Compiler sind die selben.
    http://texstudio.sourceforge.net/

  4. Bei mir gab es Probleme mit der automatischen installation von fehlenden Paketen, obwohl ich die Einstellung „Install missing packages on-the-fly“ ausgewählt hatte. Es half im „Package Manager“ von MikTex auf „Repository > Change Package Repository > Packages shall be installed from the Internet. > weiter > [eins auswählen] > Fertig stellen“ zu klicken. Nun installiert er fehlende Pakete automatisch.
    Da ich mich auch an dieser Anleitung orientiert hatte, hilft es vielleicht anderen, die ähnliche Probleme haben weiter.

    Grüße
    Thomas

  5. Vielen Dank für diese super Einführung.

    Sie hat mir sehr geholfen, da ich demnächst meine Bachelor-Arbeit in Mathematik mit LaTex zu verfassen habe und mir hiermit der Einstieg deutlich erleichert wurde.

    Eigentlich ist es schade, dass sich Word so dominant durchgesetzt hat – LaTex ist bedeutend schöner!

    • Viel Erfolg!
      Gerade für eine sehr Mathematik-lastige Arbeit kommst du sowieso nicht um TeX herum. Formatierung und Ausrichtung kriegt man in Word auch noch irgendwie hin, aber so elegant zu referenzieren wie in TeX kann gerade noch so in Wordperfect und OOO gemacht werden – allerdings nur sehr umständlich.
      Mit LaTeX bist du hier genau richtig! Alles was du zur Formatierung, Ausrichtung und Referenzierung brauchst, ist in Kapitel 7 der Vorlage beschrieben, da ich eine Regelungstechnik-lastige Bachelor-Thesis damit geschrieben habe…

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