Casatron CD reparieren

(2011 – Update 31.12.2011)
„Casatron CD“ – Gerät zur physikalischen Wasserbehandlung reparieren

Casatron DispStörung
Casatron Übersichtsbild

Vorwort

Es geht hier nur um die Reparatur eines bereits erstandenen Geräts und ich möchte hier niemandem Verkaufsargumente für solche Geräte liefern, weil ich sie selbst sehr zweifelhaft finde. Nicht umsonst ist es in der Kategorie „Kurioses“ eingeordnet…

Wer also schonmal verdammt viel Geld für ein solches Gerät ausgegeben hat, es jetzt streikt und es unbedingt weiterhin verwenden möchte, der darf folgendes gerne ausprobieren.

Vorgeschichte

Ein Bekannter kam zu mir und erklärte, das seit einiger Zeit verhäuft Geräte des Typs „Casatron CD“ mit einem Fehler aussteigen und eine Störung melden. Ich nahm eines dieser Geräte mit nach Hause und nahm es erst einmal auseinander.
Es war kein offensichtlicher Hardwarefehler zu finden. Auch ein kurzer Test der „üblichen Verdächtigen“ auf der Platine brachte keinen Erfolg. Jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich habe den Schaltplan fast vollständig erschlossen und fast jedes einzelne Bauteil getestet, ohne diese aus der Schaltung zu löten.
Dann habe ich mir nochmal in Ruhe die Anleitung angesehen und bin auf den Betriebsstundenzähler gestoßen und erinnerte mich an eine Platinenbeschriftung „EE_LOESCH“. Bisher war mir nicht klar, warum bei diesem Geräteprinzip überhaupt ein EEPROM nötig sein sollte. Die beiden verwendeten Microcontroller vom Typ PIC16F84 beherbergen bereits ein EEPROM. Hier muss der Betriebsstundenzähler nichtflüchtig abgelegt sein. Somit machte auch die EEPROM-Löschfunktion einen Sinn.
Ich lötete also die Lötbrücke ein, Steckte das Gerät ein und wieder aus, entfernte die Lötbrücke und probierte das Gerät erneut aus.
Jetzt war ein anderer Fehler im Display zu sehen: „Unterbrechung“. Dieser Fehler war auch einleuchtend, denn das Gerät lief ja im Trockenen. Nachdem ich das angehängte U-Rohr mit Wasser aufgefüllt hatte und das Gerät erneut anschloss, zeigte das Display die korrekte Funktionsweise an (Intensität, Frequenz, Leitwert, Betriebsstunden) und vor allem bei den Betriebsstunden den Wert „0000“.
Ob das erst einmal wieder für die nächsten Jahre reicht, lässt sich leider nicht sofort vorhersagen, aber es ist auf jeden Fall mal ein Fortschritt. Da ist das Gerät selbst nicht im Einsatz habe, muss ich diesen Test jemand anderem überlassen.

So wirds gemacht

Zuerst einmal wird der Netzstecker gezogen, oder die Sicherung ausgeschaltet. Wenn sichergestellt ist, dass das Gerät nicht mehr unter Strom steht, kann man die Gehäuseschrauben von der Rückseite entfernen (Bild).  Sollte das ohne Ausbau nicht möglich sein, so muss man leider das Gerät erst einmal aus dem Rohrleitungssystem nehmen.

Wenn man die Abdeckung abnimmt, so findet man eine Platine am Gerät, die andere an der Abdeckung. Letztere ist mit dem Display, den Microcontrollern und der EEPROM-Löschpads bestückt. Um an diese zu gelangen muss man die Muttern lösen, welche die Displayplatine halten (Bild).

 Als nächstes wird die Displayplatine abgenommen und man hält ausschau nach den beiden Pins, welche mit „EE_LOESCH“ beschriftet sind (Bild). Diese werden über eine Drahtbrücke mit Hilfe eines Lötkolbens gebrückt.

Jetzt baut man erstmal alles wieder soweit zusammen, dass man das Gerät gefahrlos wieder einstecken kann und keine Kurzschlüsse entstehen. Das Gerät muss nur kurz eingesteckt bleiben, biss das EEPROM wieder gelöscht ist.

Danach muss man wieder an die Displayplatine und die Lötbrücke entfernen. Ist das geschehen, muss man alles wieder sauber zusammenschrauben und befestigen. Mit ein bisschen Glück funktioniert wieder alles und der Betriebsstundenzähler zeigt wieder Null an.

Hinweis

Bitte nur von einer Fachkraft ausführen lassen, da hier gefährliche oder sogar tödliche Netzspannung (230V~) im Spiel ist!


Wo lag der Fehler?

Prinzipiell kommen mehrere Fehler in Frage und ich werde hier mal ein paar Möglichkeiten aufzählen

  • Das EEPROM wollte mehr als 65535 (16Bit) Betriebsstunden schreiben und der Mikrocontroller ist mit einem Fehler ausgestiegen.
    65535 Stunden entsprechen in etwa 7,5 Jahren durchgehendem Betrieb und bei der nächsten Stunde kam es zu einem Überlauf oder einer falschen Behandlung des Wertes.
  • Eine oder mehrere EEPROM-Zellen sind durch das ständige Überschreiben beschädigt und führten zu einem Fehler.
    Dies wäre bei schlechter Programmierung leicht möglich, denn normalerweise werden häufig aktualisierte Werte nicht wieder an die selbe Stelle im EEPROM geschrieben, sondern ein Algorithmus sorgt für die gleichmäßige Auslastung der EEPROM-Zellen. Diese Mühe hat sich hier vielleicht niemand gemacht.
  • Ein anderer Fehler ist während des Betriebs aufgetreten, wurde erkannt und ein Flag wurde im EEPROM gesetzt.
    Dies geschah, damit das Gerät erst einmal gewartet wird, bevor es wieder seinen Betrieb aufnimmt. Das Flag wurde durch die EEPROM-Löschung ebenfalls entfernt. Möglich das dieser Fehler so schnell nicht wieder auftritt.
  • Der Hersteller hat die Betriebszeit vorsätzlich begrenzt.
    Ja, auch diese Möglichkeit besteht und soll nicht ungenannt bleiben.
  • Noch was anderes…

Noch ein paar Zeilen zu diesem Gerät

Natürlich handelt es sich hier nur um meine persönliche Meinung, aber bei der Beschäftigung mit dem Gerät sind mir doch ein paar Dinge aufgefallen, die ich hier noch loswerden möchte.

Ich habe nirgends eine seriöse(!) Quelle gefunden, welche auf das Wirkprinzip eingeht oder gar einem solchen Gerät erfolgreich eine positive Wirkung nachweisen konnte. Stiftung Warentest konnte dem Gerät in seiner Ausgabe 1/2000 ebenfalls nichts abgewinnen (>>Zur Seite<<). Hier wird der Neupreis mit 2900DM angegeben.

Außerdem sind der Aufbau und das Platinenlayout nicht gerade eine Meisterleistung. Es ist das scheußlichste Layout das mir seit Jahren (oder jemals) untergekommen ist. Auch wenn es aus dem Jahre 1998 stammt, war es doch damals schon übel (kreuz und quer im rechten Winkel verlegte Leiterbahnen, keine Masseflächen, usw…).

Alle Bauteile auf dem Board sind alte Bekannte und waren auch 1998 nicht mehr „Stand der Technik“ – ein paar 74HCxx, diverse Standardtransistoren, jede Menge Elkos und (Kohleschicht-)Widerstände, kein einziges SMD-Bauteil und der LM741, den man nur aus Bastelschaltungen, antiquierten Schaltungen und als Paradebeispiel als eines der ersten OP-ICs kennt. Einzig der Microcontroller war damals wohl halbwegs aktuell.

Ich möchte noch einmal hervorheben, dass TÜV-Siegel und Co keine Garanten für die Funktionsweise eines Gerätes sind, sondern lediglich etwas über die Sicherheit aussagen können.
Eine Faltencreme auf der „dermatologisch getestet“ steht muss nicht nachweislich die Falten lindern, sondern lediglich hautverträglich sein.
Auch hier kann man sich nur halbwegs sicher sein, dass man mit dem Betrieb des Casatron nicht Haus und Hof (Sachschäden) oder Leib und Leben (Personenschäden) aufs Spiel setzt, weil der TÜV das Gerät unter eben diesen Gesichtspunkten mal geprüft hat.
Ebenso sagt das CE-Zeichen nur, dass das Gerät die Mindestanforderungen in der EU erfüllt, nicht aber dass es die versprochene Funktion erfüllt. Ohne diese Kennzeichnung dürfte es aber nicht mal in den Verkauf!
Die Pauly GmbH bietet sogar einen vollen Produktservice für diese Geräte an und wirbt auch hier mit allen Selbstverständlichkeiten, bleibt aber den Nachweis der Wirksamkeit durch einem unabhängigen Nachweis, dass ihre physikalische Wasserbehandlung tatsächlich eine Wirkung hat, schuldig.

Gleiches gilt für die Displayanzeige. Das Gerät mag durchaus die Leitfähigkeit von Wasser messen können und einen Strom mit einer Frequenz und einem Tastverhältnis durch das U-Rohr schicken, aber es findet sich keinerlei theoretische Grundlage noch ein praktischer Nachweis, dass das Kalkablagerungen verringert.

Auch der hohe Preis ist keine Garantie dafür, dass das Gerät die beworbenen Fähigkeiten besitzt.Immerhin ist der Preis im Jahr 2000 dafür mit 2900DM angegeben.
Wenn man jedoch nur das elektronische Innenleben (Bauteile, Platinenfertigung inkl. Dauer für  eine manuelle Bestückung und Prüfung) großzügig zu den im Jahr 2000 üblichen Preisen überschlägt, kommt man nicht einmal auf 380DM.
Und das auch nur, wenn jemand in Deutschland die Platine manuell bestückt und verlötet, eine maschinelle Fertigung evtl. sogar im Ausland macht das ganze nochmal wesentlich billiger. Fehlen noch das Gehäuse, das U-Rohr, die Dichtungen und Entwicklungsanteil, aber so teuer können die nicht sein und sollten mit dem Rest wohl die 1400DM noch locker unterschreiten können. Bleiben noch die restlichen 1500DM inkl. Steuern.

Auch Werbeversprechungen wie „vermindert Inkrustationen“ usw. bleiben einfach nur Werbeversprechungen und man kann diese nicht einfordern. Schließlich hat man nicht nochmal den selben Haushalt daneben um einen Vergleich herstellen zu können. Und wo ist die Schwelle von „wirkungslos“ zu „vermindert“?

Bei meinen Recherchen über das Gerät bin ich auch auf die Webseiten der Pauly GmbH gestoßen, die damit wirbt alle Casatron Geräte reparieren, aktualisieren und umrüsten zu können.
Dass ein Tausch der Platinen die Stromaufnahme verringert, ist nicht verwunderlich, denn das hier vorliegende Gerät ist nicht auf Sparsamkeit ausgelegt.
Wie aber kann man eine Aussage treffen, dass sich der Wirkungsgrad erhöht? Schließlich müsste man dafür erst einmal eine Wirkung nachweisen können, in eine messbare Größe wandeln und das ganze auch noch unabhängig wiederholbar sein. Für mich ist das eine leere Aussage, allerdings ist die Zahl von 14000 Vertriebenen Geräten doch sehr erschreckend (aber ohne Beleg).

Wenn ein teurer Filter dazugekauft wurde, wird dieser wahrscheinlich das einzige an dem Gerät sein, was im Verdacht steht irgendeine Auswirkung auf die Wasserqualität zu haben.

Vermutliche elektrische Funktionsweise

Das Gerät prägt anscheinend eine Wechselspannung an zwei in das U-Rohr eingelassene Elektroden ein. Dabei überwacht es den Stromfluss und zieht daraus einen Schluss über den Leitwert des Wassers. Dann kommt das „große Geheimnis“ des Herstellers und er prägt in Abhängigkeit des ermittelten Leitwertes die Wechselspannung einer bestimmten Frequenz und Amplitude und/oder eines bestimmten Tastverhältnisses ein.

Mein persönliches Fazit

Das Ding sieht aus wie ein wahlloses Bastelprojekt aus der Restekiste, welches geschickt vermarktet wurde und ist alles in allem ein sehr teures Messgerät für den Leitwert des Trinkwassers, bei dem allerdings keine Genauigkeit angegeben wurde. Es könnten im direkten Vergleich mit den tatsächlichen Werten erhebliche Abweichungen entstehen. Und außerdem kann der Leitwert nur als Schätzwert für die im Wasser enthaltenen Ionen herangezogen werden. Alles in allem eine Leitwertschätzung, mit zusätzlichem Hokuspokus und stümperhafter elektronischer Realisierung.

Zum Schluss

Ein ähnliches Gerät wird mehrfach im selben Satz genannt. Das Gerät „Casaprotect CD“, welches große Ähnlichkeiten hat. Dazu gibt es auch wieder eine >>Website<< .

Hier alle Bilder, die auch die wichtigsten Hinweise enthalten.

8 Gedanken zu „Casatron CD reparieren“

  1. Hallo
    Ihr Seite hat mir gut gefallen nur habe ich das vorgänger Model, und da ist auf der Platiene kein EE PROM -Lösch vorhanden bzw: aufgedruckt. Daduch kann ich leider nicht ihre Gute beschreibung nach machen. Was soll ich jetzt ihrer Meinung machen?
    Gruß
    Rieger

    1. Sorry, ich hab nur diesen Exoten hier in den Fingern gehabt. Meiner Meinung nach würde ich dem Ding allerdings nicht nachtrauern. Wie gesagt, die Stiftung Warentest konnte keinem Gerät etwas abgewinnen, dass nicht mit einer Kartusche oder Entsalzung arbeitet. Ich persönlich halte das für modernen Hokuspokus. Früher hat man Wunderwässerchen verkauft, die auf abenteuerliche Weise gebraut wurden, heute lässt man sich pseudo-wissenschaftliche Erklärungen einfallen um die einfachen Geister zu einem Kauf zu bewegen. Ich würde das Ding in der gleichen Kategorie einstufen wie die „Magnet-Energiebänder“, Wunderwässerchen die mit den Gebeten von Ex-TV-Prediger Jürgen Fliege geladen wurden usw.
      Wer allerdings schon an der Supermarktkasse seine Lebensmittel nicht über die Scannerkasse gezogen haben möchte, weil die Ware dann „verstrahlt“ wird, der darf sich auch von Casatron einen überteuerten Kasten an die Wand hängen, der keine Nebenwirkungen hat, allerdings eben auch keine sonstige Wirkung…
      Wie gesagt, meine Meinung gefrat, meine Meinung bekommen…

  2. Hallo
    Danke für die Antwort , leider muß ich anmerken das in denn 7,5 Jahren was das Gerät gelaufen ist wir wenig Probleme mit Verkalkung hatten. Da er sich immer leicht und ohne Chemie entfernen lies. Erst als nach der Störrung als das Gerät nicht mehr ging merkten mir relativ schnell das der Kalk sich nicht mehr leicht entfernen lies. Ich bin auch vielen skeptisch aufgeschlossen aber in diesen fall muß ich leider zugeben lag ich anfangs mit meiner Meinung falsch. Darrum würde ich gern wieder das Gerät zum Laufen bringen.
    Gruß
    R.

    1. Ich kann leider nur für dieses eine mir vorliegende Gerät sprechen. Ggf erneut versuchen oder ein andere defekt liegt vor. Ist auch hier als Betriebszeit wieder der Bereich von etwa 7,5 Jahren anzusetzen?

  3. Hallo,
    habe die Seite mit Interesse gelesen.
    Ich besitze auch ein CASATRON CD Gerät seit ungef. 1998 und kann nur sagen das es nach wie vor funktioniert. Dzt. sind ca. 43100 Betriebsstunden mit einer Intensität von 99,8 %, einem Leitwert von 630 bis 680 us und einer Frequenz von 2,5 KHz auf dem Display ablesbar.
    Meine Frage ist ob das Gerät bei 99999 Betriebsstunden wieder bei 0 anfängt oder wie ist diese Std. Anzahl erklärbar. Wie kann man das Gerät kontrollieren ob es funktioniert?
    Besten Dank und herzliche Grüße
    Karl

    1. Hallo Karl,
      wann der Stundenzähler bei ihrem Gerät zurückgesetzt wird oder wann dieser endet, kann ich nicht sagen. Und die Kontrolle ob das Gerät funktioniert hängt sicherlich davon ab, wie man die „Funktion“ definiert. Stiftung Warentest hatte einen Aufbau der die Funktion der Entkalkung unter gewissen Bedingungen untersucht hat. Diese Tester kamen zu dem Ergebnis, dass das wohl schon von Haus aus die Entkalkungsfunktion nicht mit Erfolg gekrönt ist bei diesem Gerät. Aber wenn man wissen will, ob da noch Hokuspokus an der Wasserleitung stattfindet, dann müsste man an den Ausgängen der Elektroden mal mit einem Messgerät (z.B. Oszilloskop) nachschauen.

      PS: Kommentare tauchen nicht unmittelbar auf und Fragen „verschwinden“ auch nicht. Kommentare müssen erst vom Administrator genehmigt werden.

  4. Habe auch seit 1998 ein Casatron. Seit ca. 3 Jahren nicht mehr im Betrieb. Wo der Defekt liegt, weiss ich nicht. Wer kann helfen? Übrigens wird keine Entkalkung versprochen, sondern nur eine Verhinderung der Kalkablagerung (Auflösung). Würde mich sehr über Hilfe freuen. LGMK

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